Diego Giacometti tritt aus dem Schatten

Diego Giacometti tritt aus dem Schatten

Diego Giacomettis Name ist untrennbar mit demjenigen seines Bruders Alberto verbunden. Lange Zeit trat er in der Kunstwelt nur als Albertos Modell in Erscheinung. Erst später wurde bekannt, wie unentbehrlich
er für diesen auch als Assistent und Mitarbeiter geworden war, und nochmals viel später entdeckte das Publikum erst, dass Diego auch selber ein künstlerisches Oeuvre – wenn auch ganz anderer Art – hervorgebracht hatte.

Dieses Oeuvre umfasste vor allem Möbel, Lampen und andere Einrichtungsgegenstände – alle aus Bronze – die er auf seine höchst persönliche Art mit kleinen Tierskulpturen versah. Sie können zwar äusserlich ihre Verwandtschaft mit Albertos Kunst nicht verleugnen, aber daraus entstand dennoch etwas völlig Anderes und in seinem Charakter Alberto durchaus nicht Verwandtes. Aber für viele Betrachter stand Diego deshalb «sein Leben lang im Schatten des grossen Bruders» – eine Einschätzung, die allerdings der viel differenzierteren Beziehung der beiden Brüder zueinander in keiner Weise gerecht wird.

Seit zwei Jahrzehnten hat es im Heimatland Diego Giacomettis keine Ausstellung mehr gegeben (letztmals 1988 im Museum Bellerive in Zürich), und auch international wurde das Werk des Bündner Künstlers kaum gezeigt. Diese erste Ausstellung in der engeren Heimat des Künstlers zeigt rund 100 exemplarische Arbeiten von Diego Giacometti. Das Kuratorium für die Ausstellung liegt in den Händen von Jacqueline von Sprecher (Chur), einer ausgewiesenen Kennerin des Werkes von Diego Giacometti.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit gleichem Titel: «Diego Giacometti tritt aus dem Schatten» mit Beiträgen von Jacqueline von Sprecher, Gisela Kuoni, Eberhard W. Kornfeld, Ernst Scheidegger, Konrad Weinmann und Dino Simonett. (Buchverlag der Neuen Zürcher Zeitung, NZZ Libro, 160 Seiten mit ca. 100 farbigen und s/w Abbildungen, Fr. 58.— / in der Ausstellung Fr. 48.—)

Daten zur Ausstellung:
Kuratorium und Buchpublikation: Jacqueline von Sprecher
Leitung und Werbung: Christian Dettwiler
Ausstellungsarchitektur: gasser, derungs
Graphik: Stephen England